Der Weg zum Tunnel: Ohrlöcher richtig Dehnen!

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Jeder kennt ihn, den Trend, Ohrlöcher zu vergrößern um diese dann mit Plugs, Tunnels etc. zu verschönern. Leider wissen viele Leute nicht wie und mit welchen Materialien, sie das einst normale Ohrloch selber & vor allem richtig Dehnen können. In diesem Artikel haben wir die nötigen Materialien, sowie die gängigsten Methoden einmal aufgeführt und erklären wie es funktioniert.

Was bedeutet Dehnen ?

Beim Dehnen (manche nennen es auch Stretching) der Ohrlöcher wird der Stichkanal eines normalen Ohrloches, der in der Regel zwischen 0,8 und 1,6 mm Durchmesser besitzt, auf 10 manchmal sogar auf 12 bis 16 mm, erweitert (gedehnt).
So besteht die Möglichkeit zukünftig größeren, auffälligeren Schmuck zu tragen, in allen möglichen Formen und Farben.

In der Regel sagt man das gedehnte Ohrlöcher bis zu einer Größe von 10 mm (je nachdem auch schon mal drüber), nach herausnehmen des Schmucks, wieder zuwachsen! Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine gut durchgeführte Dehnung !

Die richtige Vorgehensweise

Es ist außerordentlich wichtig dass, das Dehnen langsam vollzogen wird! Wenn man ungeduldig ist riskiert man, dass die Haut einer zu hohen Spannung ausgesetzt wird und im schlimmsten Fall sogar einreißt bzw. reißt. Kleine Schritte sind deswegen besonders wichtig und vor allem schmerzfreier ! Hier einmal ein kurzes Beispiel für die Vorgehensweise und die Größenwahl der Expander.

Der erste Expander sollte eine Stärke von 2 mm haben, dritte eine Stärke von 3 mm,
dann 4 mm usw. Erst ab 8 mm (!) aufwärts fängt man an in 2mm Schritten zu dehnen.
Das bedeutet hat man einen Expander mit der Stärke von 8 mm erfolgreich eingesetzt kann man als folge Stärke einen Expander von 10 mm nutzen. Ab 12 mm arbeitet man mit Silikonschmuck. Dieser wird zusammengedrückt und eingesetzt. Die ist Schonender für das Ohrloch.

Häufig wird gefragt wieso man nicht direkt einen Dickeren Expander, zum Beispiel einen mit einer Stärke von 8 mm nimmt, da dies eh die gewünschte Größe ist.
Der Grund ist folgender : Der Dehnungsstab beginnt zwar mit der niedrigsten Stärke, allerdings ist man mit der Gesamtlänge des Expanders schnell auf 8 mm angestiegen. Das zu schnelle ‚durchschieben' des Expanders führt dann zu ungleichmäßigen ‚weiten' . Das Ohrloch wird dann zum Beispiel hinten mehr gedehnt als vorne. Im Endergebnis sieht dies dann, in so gut wie allen Fällen, unschön und unästhetisch aus. Ebenfalls macht es die Sache um einiges Schmerzhafter, als es eigentlich sein muss! Wir empfehlen deswegen auf jeden Fall, die oben beschrieben Zwischengrößen zu nutzen!

Vorab :

Viele sind beim Dehnen ihrer Ohrlöcher ungeduldig und können das Endergebnis kaum erwarten aber dennoch ist zu beachten dass, das Gewebe des Ohrloches mindestens ZWEI WOCHEN braucht um sich, von der erzeugten Spannung, zu erholen. Deswegen ist es wichtig dass ihr in den zwei Wochen keinerlei neue Stärken in das Ohrloch einsetzt. Ebenfalls ist zu beachten dass der Ohrschmuck nicht für mehrere Stunden herausgenommen werden sollte, da das Ohrloch sich dann um einige Millimeter zurückbildet.

Der Dehnvorgang

In folgenden Schritten möchten wir Euch erklären wie der Dehnvorgang von statten geht.
WICHTIG : Die Dehnutensilien müssen vor dem Dehnen unbedingt desinfiziert werden ( mit Octeinsept ), im Idealfall besitzt man noch Sterile Handschuhe ( wenn nicht, unbedingt die Hände gut und richtig desinfizieren ) und es sollte niemals gedehnt werden, wenn das Ohrloch frisch gestochen ist. Das heißt es sollte vollkommen abgeheilt sein!

Als erstes wird der Ohrstecker entfernt.
Nach dem Entfernen des Ohrsteckers wird das Ohrloch gründlich mit Octeinsept gereinigt.
Dieses so genannte Octeinsept ist ein farbloses, wässriges und vor allem Schmerzfreies Desinfektions-Spray für die Anwendung auf der Haut sowie der Schleimhaut.
Nun kommt der Expander zum Einsatz, dieser sollte vorher unbedingt mit reichlich Bepanthen eingerieben werden, damit er sich leichter durch das Ohrloch führen lässt.
Nun nimmst du das Dünne Ende des Expanders und führst es mit langsamen, drehenden Bewegungen, auf gar keinen Fall mit Gewalt und Kraft, in das Ohrloch ein.
Sobald es anfängt zu zwicken oder zu schmerzen, wartest du einen Moment bis dies nachlässt. Nun kannst du den Expander weiter einführen und ihn bis zum Ende durchschieben. Der Expander bleibt bis zum nächsten Dehnvorgang im Ohrloch. Dann wiederholt sich der ganze Prozess solange, bis du deine gewünschte Ohrlochgröße erreicht hast.

Hier nochmal ganz wichtig ZWEI WOCHEN RUHEN lassen , dann erst mit der nächsten Größe weiter dehnen !!

Diejenigen unter euch, die keine großen Tunnels, sondern nur kleine dezente, haben möchten, können den Expander nach zwei Wochen rausnehmen und den gewünschten Tunnel oder Plug einführen.
Hierbei ist wieder zu beachten das alles, wie beim Dehnen auch, ruhig und langsam von statten geht und das Ohrloch sowie Hände & Schmuck, nochmal gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Ebenfalls ist zu empfehlen den einzusetzenden Schmuck mit Bepanthen Salbe einzureiben, damit das einsetzen leichter und schmerzfrei wird.

Der Richtige Schmuck

Es gibt verschiedene Arten von Tunnels, Plugs, Sicheln etc. die aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen. Viele von denen sind dennoch nicht als Erstschmuck, für direkt nach dem Dehnen, geeignet. Hier einmal die geeignetsten Materialien für den Ersteinsatz.

Platz Nr. 1 : Titan


Der Vorteil von Titan Piercing Schmuck ist das es besonders leicht ist, eine glatte Oberfläche hat, nicht auf Körperflüssigkeiten reagiert, nicht magnetisch und allergenfrei ist.
Titan ist eins der edelsten und gängigsten Piercing Materialien, leider hat dieses auch ihren Preis, der allerdings bestens angelegt ist.

Platz Nr. 2 : Kunststoff


Kunststoff Piercings bzw Tunnels sind besonders leicht, besonders resistent bezüglich chemischer Körperreaktionen und vor allem nicht allergieauslösend.
Allerdings sollte man Kunststoff Tunnel regelmäßig gründlich reinigen, da viele Kunststoffarten winzig kleine Poren enthalten.

 

Platz Nr. 3 : Edelstahl oder auch Chirurgenstahl


Edelstahl hat eine sehr glatte Oberfläche. Es ist schwierig ein Material zu finden, das so extrem glatt ist, wie dieses. Edelstahl bietet kaum Angriffsfläche für Schweiß, Bakterien und andere Schadstoffe, die sich an Eurem Tunnel ansiedeln können. Ein netter Nebeneffekt man kann dieses Material aufpolieren, sodass ihr Euren Tunnel schön zum glänzen bringen könnt! Zu beachten ist dennoch das Chirurgenstahl im direkten Vergleich zu anderen Piercing Materialien das schwerste ist und somit für manche ein Minuspunkt, im Gegensatz zu den anderen Materialien.

Das waren jetzt mal die drei gängigsten Materialien. Natürlich könnt ihr alle möglichen Tunnels, Plugs etc. nutzen, die eine glatte Oberfläche haben und somit das gedehnte Ohrloch nicht reizen.

Natürlich kannst du, wenn dein Ohr vollkommen verheilt ist, alle Tunnels, Plugs etc. einsetzen die du gut findest wie zum Beispiel Holz Tunnels / Plugs oder ähnliches.

Bitte achte immer darauf deinen Schmuck regelmäßig zu säubern, auch wenn das Ohrloch bereits abgeheilt ist!

 

Komplikationen? Entzündungen? Schmerzen?

In den meisten Fällen entstehen beim Dehnen von Ohrlöchern keine Komplikationen.
Leider kann es, in manchen Fällen, dennoch dazu kommen. Häufige Gründe für Komplikationen sind zum Beispiel zu schnelles Dehnen, nicht ausreichende Desinfektion und Bakterien, die in die Wunde gelangen können.

Als Komplikationen können auftreten Infektionen, sogenannte Blowout . Dabei wölbt sich die Haut, die eigentlich innerhalb des Stichkanals liegt, nach außen. Dies sieht nicht nur unästhetisch aus sondern ist auch noch sehr Schmerzhaft. Oder ‚Arschloch Effekte' (klingt lustig, ist es aber ganz und gar nicht!) hiermit bezeichnet man Wölbungen, die beim herausnehmen des Schmucks aussehen wie eine Rosette. Diese Wölbungen entstehen durch ausgeheilte Risse im inneren des Lochrandes.
Diese Komplikationen lassen sich mit klaren Menschenverstand, Geduld, ordentliches desinfizieren und dem befolgen der oben genannten Anleitung vermeiden!

Wenn sich das gedehnte Ohrloch dann doch mal entzündet und schmerzt, was durchaus schon mal passieren kann, desinfiziert das Ohrloch wieder gründlich und ordentlich mit Octeinsept ( nochmal zur Erinnerung, es ist absolut schmerzfrei ) . Aber bitte nicht zu häufig, da über eifriges und häufiges Pflegen ebenfalls, das schon entzündete Ohrloch, reizt!
Alt bewährt und in fast jedem Haushalt : Kamillentee ! Kocht eine Tasse Kamillentee, den Tee gut durchziehen lassen, ruhig länger als er eigentlich muss, auskühlen lassen und mit einem Wattestäbchen ( bitte jede Seite nur 1x in die Tasse tauchen, lieber mehrere verwenden ) die betroffene Stelle einreiben. Diesen Vorgang kann man so oft wiederholen, bis die Entzündung angeklungen ist. Bitte kocht euch den Tee immer wieder frisch, sonst bilden sich Keime, die wiederum kontraproduktiv für die schon vorhandene Entzündung sind!
Falls die Entzündung am Ohrloch länger anhalten sollte oder sogar schlimmer wird, sucht den Piercer eures Vertrauens auf und schildert ihm die Situation bzw zeigt ihm das Ohr.
Im Notfall einen Arzt aufsuchen der eine Antiseptische Salbe verschreibt, die dafür sorgt dass, das Ohr wieder vernünftig abheilt !

 


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